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Das Postgeheimnis im Jahr 2021

Ist es nicht eigentlich nur Bequemlichkeit, die uns den Messenger auf dem Smartphone mit all seinen Nachteilen im Ein-Finger-System bedienen lässt?

Was ist eigentlich aus Artikel 10 des Grundgesetzes geworden? Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich, gesetzliche Ausnahmen vorbehalten. Vergreifen sich Facebook und die hauseigenen Marken Instagram und WhatsApp nicht generell an Daten und Inhalten? Was ist mit Telegram? Droht da auch der Zugriff auf die privaten Daten? Werbung? Zensur? Das alles, obwohl laut Wertversprechen der Konzerne, sogar alles verschlüsselt ist? Klar: der Provider erzeugt den Schlüssel und gibt ihn uns, insofern ist dieses Versprechen nichts wert. Und was sagt der Gesetzgeber? Sagt der überhaupt etwas? Ach stimmt, da war was: das Verschlüsseln soll verboten werden. Grund ist wie immer unser aller Sicherheit, unter Aufweichen des Grundgesetzes. Immerhin ist jemand, der seine Kommunikation nicht offenlegen will, doch in der Regel kein Krimineller?

Zunächst einige Gegenfragen. Wieso überlassen in unseren Zeiten eigentlich so viele Menschen die Organisation des zwischenmenschlichen Informationsaustauschs einem Provider? Woher kommt die Idee, dass der vertrauenswürdig ist, wenn doch immer wieder Nachrichten über Datenleck-Skandale und Hacker-Angriffe die Runde machen? Was passiert, wenn der Provider die Spielregeln ändert oder sich aus der ihm anvertrauten Kommunikation Informationen extrahiert? Woher kommt überhaupt diese Sehnsucht, sich größeren Gruppen und Providern mitzuteilen und wie kommt man auf die Idee, man hätte dann aber trotzdem ein Recht auf Datenschutz und Privatsphäre?

Ist es nicht eigentlich nur Bequemlichkeit, die uns den Messenger auf dem Smartphone mit all seinen Nachteilen im Ein-Finger-System bedienen lässt?

Die grundsätzlichen Fragen der modernen Kommunikation lauten: privat oder öffentlich? Belanglos oder brisant? An eine bestimmte Person oder an viele? Was passiert eigentlich, nachdem alle Adressaten die Information erhalten haben? Was passiert, wenn der Provider, also Telegramm oder WhatsApp die Information weiter gibt? An interessierte Kreise, Werbeagenturen, an die Polizei, oder an den Fiskus, oder auch nur an NGOs, Umfrageinstitute oder überhaupt jemand, den es schlicht und einfach nichts angeht?

Auf der Empfängerseite fragt man sich infolge der mangelnden Möglichkeiten sofortiger Antwort vielleicht das eine oder andere Mal: war ich wirklich gemeint? Interessiert sich der Sender der Nachricht überhaupt für meine Rückmeldung?

Um all das in den Griff zu bekommen, gibt es viele Ansätze. Am Anfang steht die Frage: was teile ich denn wem mit? Nehmen wir an, der Inhalt geht nicht jeden etwas an. Ein persönliches Treffen? Telefonieren? E-Mail? WhatsApp? Telegram? Wire? Signal? Gehen wir mal analytisch vor.

AspektGesprächTelefonatMailMessenger
Kommt mein Inhalt an?Ja, incl. RückmeldungVielleicht, mit Bild jaNur Senden – unklarNur Senden – unklar
Wie schnell?sofortsofortverzögertverzögert
Feedback bei Mißverständnis?sofortsofortverzögert oder gar nichtverzögert oder gar nicht
Ist sicher, dass keiner mithört?Kann man einrichtenIn der Regel jaNein, außer mit VerschlüsselungProvider verwertet Inhalt
Kann ich auch eine Gruppe erreichen?Ja, begrenzt.schwierig, aber möglichJa, per MailverteilerJa, Gruppenchat
Dateianhang möglich?Ja, mit zus. DigitalgerätNeinJaJa
Wird die Historie gespeichertNeinNeinJaJa
Alles unter eigener Kontrolle?JaJaJaNein
Tabelle: ein Vergleich ausgewählter Kommunikationsmittel.

Mit Blick auf die durchaus fragwürdigen Eigenschaften eines Messengers wie WhatsApp, Telegram, Signal oder Wire sei die Frage erlaubt, warum diese Anwendungen überhaupt verwendet werden? Ist es wirklich so ein wichtiges Bedürfnis, kurzen Text, Bilder oder Videos zu senden mit einem anonymen Provider zu teilen, der offensichtlich mit dieser Ernte aus seiner kostenlosen Dienstleistung viel Geld verdient?

Neuerdings spielt auch Zensur eine Rolle. Beiträge und Kanäle verschwinden aus den so genannten sozialen Netzwerken. Da muss doch eine Lösung her?!

Abbildung links: Menschen kommunizieren per Provider. Rechts: ein Netzwerk

Wenn der Provider nicht unser Freund ist (und das ist er nicht) dann ist es die logische und einfach umsetzbare Konsequenz, ihn aus dem Spiel zu nehmen und ein offensichtlich viel stabileres Netzwerk aus direkten persönlichen Kontakten aufzubauen. Warum reduzieren wir unsere Kommunikation nicht auf Gespräch, Telefonat und (mit PGP verschlüsselte) E-Mail? Von Einweg-Konzernkommunikation a la Facebook, mit der in obskurer Weise Milliarden verdient werden, halte ich nicht viel.

Wer macht mit beim Umdenken?

3 Antworten auf „Das Postgeheimnis im Jahr 2021“

Das Forum ist aus meiner Sicht eine geringfügig verbesserte Form von Messenger. Wenn das Forum ausfällt, ist auch die Kommunikation weg. Das kann im Netzwerk nicht passieren. Ausprobieren und sehen, was sich etabliert?

Aber generell ist der Sicherheitsaspekt wegen dem Provider schon wichtig, da geb ich dir recht.
Nur, passiert das oft, dass die Daten aus einem Provider ausgeliefert werden?
Und überhaupt: wir sind weder kriminell, noch extremistisch. Warum sollten wir so sehr beobachtet werden?

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